Briefe eines Müssiggängers

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Title

Briefe eines Müssiggängers

Subject

Letters from Pastrana's admirers

Description

A man tells of reading two love letters from admirers that Pastrana shows him.

Creator

Fremden Blatt

Source

Austrian National Library

Publisher

Austrian Newspapers Online

Date

1858-01-06

Relation

IsVersionOf Fremden Blatt

Format

pdf

Language

German

Type

Newspaper article and ad

Identifier

18580106, Link

Text Item Type Metadata

Text

OCR Translation:
Briefe eines Müffiggängers.
Herr Red äkteur!
Der Umschlag der Witterung in den letzten Tagen ist für Ihren
Müssigaänger keineswegs erfreulich. Bis jetzt war's fteilich keine Kunst,
bei 6 Grad Wärme in dichte Winterstoffe gehüllt, in den Straßen Tag
und Nacht herumzuwandern; aber jetzt, wo die Zapfen bereits von den
Dachtraufen hängen und die Eisblumen an den Fenstern künden, daß
auch der Winter eine Blüthenzeit der Täuschung hat, jetzt wird es mir
ziemlich mühsam sein, meinen Beruf getreulich und ausdauernd zu
erfüllen.
Freilich werfen mir Viele vor, wer sich so amüsante und köstliche
Unterhaltungen verschaffen kann, wie die letzte bei der tänzelehrenden
„Böhmin", der kann leicht etwas Kälte und einige Grade Frost ertra ertragen; ­
gen; ertragen; aber dieser Vorwurf trifft mich nicht. Es ist nicht immer das
Schöne und Amüsante, das ich aufsuche; auch das Häßliche und Ab Abstoßende ­
stoßende Abstoßende hat Anspruch aus meine Neugierde und Theilnahme. Und da
wäre ich denn wieder bei Miß Pastrana angelangt, der ich — welch'
offenes Geständniß — in den letzten Tagen einen großen Theil'meiner
Mußestunden gewidmet habe. Miß Pastrana ist — Ihre freundlichen Leser
und Leserinnen, selbst Jene, die sich vielleicht von dem schrecklichen Antlitz im
Cirkus mit Schaudern abgewendet, mögen mir dieß glauben — ein ganz vor vortreffliches, ­
treffliches, vortreffliches, im Zustande der Verschleierung selbst liebenswürdiges Geschöpf.
Aber man muß die liebe Miß nicht im schottischen Kostüm aufdenbeteppich-
ten Brettern bei Renz sehen, nein, man muß sie in ihrer Häuslichkeit
überfallen- sie im kattunenen Hauskleide überraschen, den Strickstrumpf
in der Hand und eine Cigarette im Munde, deren Rauch sie zum Un Unterschiede ­
terschiede Unterschiede von anderen Menschenkindern durch die Nase einathmet und
zum Munde herausstößt. Als ich das letzte Mal bei Miß Julia war,
ließ sie sich gerade von einem hoffnungsvollen Künstler in Thon aus aushauen, ­
hauen, aushauen, sie betrachtete aufmerksam, wie sie Zug um Zug abgeknetet wurde
und reichte mir mit vielsagendem Blicke ihre kleine schwarze Hand, in
der zwei Briefe sich befanden. Miß Julia's Auge sagte mir, ich dürfe
sie lesen, denn ich erfreue mich bereits ihres unbeschränkten Vertrauens,
und so nahm ich die Briefe und las sie. Ich weiß nicht genau, wie
groß das Vertrauen der Leser 'in meine Wahrheitsliebe ist, aber ich
muß schon um eine große Quantität unbegrenztes Zutrauen bitten,!

denn was ich jetzt erzählen will, wird wenig Gläubige finden, obgleich
ich die Beweise hiefür jedem Ungläubigen verschaffen kann.
Die beiden Briefe also, die Mrß Julia mir überreichte, waren
veritable Liebesbriefe, beide vollständig und gut stilifirte, vollkommen
gütige Heiratsanträge enthaltend, Heiratsanträge in optima Forma
mit Ehekontrakt, Mitgift rc.
Und wer waren die beiden.Ungeheuer, die es wagten, dem ganzen
schönen Geschlecht der gebildeten Welt durch diesen unerhörten Schritt
den Handschuh in's Gesicht zu werfen?
Der Eine ist — das kann man sich leicht denken — ein Eng Engländer. ­
länder. Engländer. Er besaß vor Kurzem noch das schönste Weib und lebte in
den glücklichsten Verhältnissen; eines schönen Tages hatte er sich mit
größerer Genauigkeit als Othello überzeugt, daß ferne Frau einen Kas-
fio begünstige und von dieser Zeit an war sein Herz gebrochen, er
ließ sich von seiner Lady scheiden und schwur die Häßlichste aufzusuchen,
die ihm gewiß das Versprechen der Treue eher halten würde, als die
Schönste. Sein Suchen war von Erfolg gekrönt; er fand Miß Ju Julia ­
lia Julia und bietet ihr seine Hand und sein Vermögen an.
Der zweite Verehrer der edlen Mexikanerin ist ein Ungar, ein.
Sprosse jener weiten Steppen, auf denen der Csikos sich tummelt, und
der Zigeuner im wilden Csardas sich dreht. Er liebt Miß Julia,
ohne bereits betrogen zu sein, und bietet ihr Hand und Herz an. Er
schreibt rührende Briefe, und ist bereits so glücklich gewesen, von den
lieblich vierfach gespaltenen Lippen der Wurzelgräberstochter den ersten
Kuß zu erhalten, den aber Miß Julia keineswegs als ein Unterpfand
eines innigen Verhältnisses betrachtet wissen will. Julia will nämlich nämlichfrei ­
frei nämlichfrei bleiben, und keinem Manne angehören, sie mißtraut den Herren
der Schöpfung, und verläßt sich eher auf ihren Spiegel, als auf glatte
Worte und heiße Schwüre. Auch hierin gleicht sie nicht den Schönen
der Erde, mit denen sie übrigens, was Putzsucht. Eitelkeit und Ge Geschwätzigkeit ­
schwätzigkeit Geschwätzigkeit betrifft, eine unverkennbare Aehnlichkeit nachweisen kann.
Miß Julia gedenkt in kurzer Zeit Wien zu verlassen, um ihre Reise
nach dem Süden fortzusetzen. In Wien hat Fräulein Pastrana zum
ersten Male schreiben gelernt, und Ihr Müssiggänger besitzt ein reizen reizendes ­
des reizendes Bild der Gefeierten mit der eigenhändigen Unterschrift derselben.
Die Richtigkeit des alten Spruches: „Was die rechte Hand gibt,
davon soll die linke nichts wissen", hat sich kürzlich bei einer amüsan amüsanten ­
ten amüsanten Geschichte in seiner vollen Ausdehnung bewahrheitet. Es gibt in
Wien eine bekannte Künstlerin, die neben hundert originellen Eigen Eigenthümlichkeiten ­
thümlichkeiten Eigenthümlichkeiten und pikanten Einfällen auch ein vortreffliches Herz be besitzt, ­
sitzt, besitzt, die den oben angeführten Spruch beachtet, und unter ihren
Verehrern auch eine Schaar kleiner Betteljungen zählt, die sie allmor-
gentlich mit kleinen Liebesgaben bedachte. Zum Unglück aber besaß
die Genannte dienstfertige Freunde, die ihre Freigebigkeit in alle
Winde ausposaunten, und der Bedauernswerthen so eine Legion von
Hilfesuchenden, Verunglückten, Abgebrannten, Bankerottgewordenen, und
sonstigen Bittstellern zuführten, die zu befriedigen kaum ein Königreich
hingereicht haben würde. Das originellste Bittgesuch ist aber der ge genannten ­
nannten genannten Künstlerin amNeujahrstage zugekommen. Ein wackeresMitglied der
Pfeifenfchneiderzunft richtete an die Dame einen rührenden Bnef, iw
der er ihr mittheilt, daß sein Bruder bei der letzten Vorstellung der
„Grille", die er nur aus purem Kunst-Enthusiasmus besuchen wollte,
so in's Gedränge gerieth, daß er an seinem linken Beine einen voll vollständigen ­
ständigen vollständigen Bruch erlitt. Da an diesem Beinbruche nur die Enkelin
von Mutter Fadet Schuld trage, so habe sie auch die Verpflichtung, für
Heilungskosten und Spitaltransport Sorge zu tragen,' und man
A „s„ H ... ki. r*r» r f « .-r •* ' «

Google Translation:
Letters of Müffiggängers.
Mr. Red äkteur!
The envelope of the weather in the last few days is for your
Müssigaänger not pleasing. Until now it was not fteilich Arts
wrapped in 6 degree heat in dense winter substances in the streets day
wander and night; but now that the pins already on the
hanging eaves and proclaim the ice flowers on the windows that
Also the winter has a Blüthenzeit of deception, now it is me
be rather cumbersome, my profession faithfully and persistently to
fulfill.
Admittedly accuse me of many who is so amusing and delicious
can provide entertainment, such as the latest in dance teaching
"Bohemian", which can easily ertra endure some cold and some degrees of frost;
gene; endure; but this charge does not affect me. It is not always the
Beautiful and amusing that I seek; even the ugly and repulsive From
bumping Repulsive entitled from my curiosity and sympathy. And since
I would because once arrived at Miss Pastrana, who I - what '
open confession - in recent days a large Theil'meiner
have devoted hours of leisure. Miss Pastrana is - your kind readers
and readers, even those who might in itself of the terrible face
Cirkus averted with a shudder, like me believe Diess - a very admirable ago,
admirable, admirable, amiable in a state of concealment itself creature.
But one must not aufdenbeteppich- in scottish costume dear Miss
th boards at Renz see, no, they have to be in their domesticity
überfallen- surprise in calico house dress, the knitting
in his hand and a cigarette in his mouth, whose smoke it for Un differences
einathmet differences differences from other children of men through the nose and
ejects the mouth. When I was the last time with Miss Julia,
she settled hew just returned from a hopeful artist in Thon from,
hew hew, they looked attentive as it was abgeknetet train to train
and handed me with a meaning glances her little black hand, in
the two letters were. Miss Julia's eye told me I should
they read, because I already rejoice their unlimited confidence,
and so I took the letters and reading them. I do not know exactly how
great is the confidence of the reader 'in my love of truth, but I
must already ask unlimited confidence to a great quantity ,!

because what I want to tell now, little believers will find, though
I can give the evidence therefor any unbelievers.
The two letters so that MRSS Julia handed me were,
veritable love letters, both complete and well stilifirte completely
benevolent marriage proposals containing, marriage proposals in optima forma
with marriage contract, dowry rc.
And who were the beiden.Ungeheuer who dared, the whole
fair sex in the world formed by this unprecedented step
to throw the glove in the face?
The A's - that can be imagined - an Englishman Eng.
countries. English people. He had recently still the most beautiful woman and lived in
the happiest circumstances; one day he had with
greater accuracy than Othello convinced that distant woman a cash register
fio favor and from that time his heart was broken, he
divorced his Lady and seek swore the ugliest,
that would certainly keep him the pledge of allegiance rather than the
Most beautiful. His search was successful; He found Miss Ju Julia
lia Julia and offers her his hand and fortune.
The second admirer of the noble Mexican is a Hungarian, a.
Rung of those vast steppes, where the Csikos romps, and
Gypsies in the wild Csardas rotates. He loves Miss Julia,
without already cheated to be, and offers her hand and heart. He
wrote touching letters, and has already been so happy, by the
lovely fourfold split lips root graves daughter first
Kiss to get the Miss Julia but not as a pledge
asks considered an intimate relationship. Julia wants namely nämlichfrei
nämlichfrei remain free and belong to no man, they distrusted the men
of creation, and relies more on her mirror than on smooth
Words and hot oaths. Here, too, they do not like the Fair
Earth, with which they, incidentally, what finery. Vanity and loquacity Ge
schwätzigkeit loquacity relates, an unmistakable resemblance can prove.
Miss Julia intends to leave in a short time Vienna to your travel
continue to the south. In Vienna Miss Pastrana has to
Write the first time learned and your loafer has a tempting lovely
the lovely image of the Celebrated with the handwritten signature of the same.
The accuracy of the old saying: "What are the right hand,
it is left to know anything ", has recently amusing at a amüsan
th amusing story true to its full extent. There is in
Vienna is a well-known artist, in addition to hundreds of original own peculiarities
thümlichkeiten peculiarities and savory ideas also has be an excellent heart,
sitting, possesses that observes the above award, and among their
Worshipers and a crowd of small boys begging one who allmor-
sionally gave her small gifts of love. but had to misfortune
the common officious friends, their generosity in all
Winds trumpeted, and the regret Werthen as a legion of
Seeking help, victim, burnt, Bankerottgewordenen, and
Other petitioners zuführten to satisfy hardly a kingdom
would have sufficed. The original petition is but the ge called
called called artist amNeujahrstage approached. A wackeresMitglied the
Pfeifenfchneiderzunft sent the lady a touching BNEF iw
the he informs her that his brother at the last performance
"Grille", which he wanted to visit only out of pure art-enthusiasm,
so fell in's crowd that he a full full on his left leg
permanent complete fracture suffered. Since at this Beinbruche only granddaughter
Wear Mother Fadet debt, so they also have the obligation for
Medical expenses and hospital transport to take care 'and you
A "s" H ... ki. r * r "rf".-r • * ' "

Certainly a very:

ask "them therefore to make the necessary advances,
original thought to arouse pity!
Tomorrow night gathered the artists society "Aurora" '
after a long break to return to the premises of the halls Sperl
Ladies evening. As I told you already imparted ultimately, are for this
new appropriate arrangements been made evening that satisfy certainly be
will satisfy friedigen. If the mood a animirte so likely to
Midnight in the friendly rooms, the first above-named Ball Festival
the season take place, which would allow the more surprise,
as it will be pretty much improvised.
In the last draw of Steamship Loose Woman For Fortuna has
tuna Fortuna 'again had a peculiar mood; I hear the
Main Results fallen a merchant who made Stockerau, which, as
a while ago mentioned in the leaves Trial
imparts a delivery matter, not currently in
Bosom of his family is.

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Fremden Blatt, “Briefe eines Müssiggängers,” Julia Pastrana Online, accessed January 19, 2021, http://juliapastranaonline.com/items/show/21.

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